In einem Spiel auf Steam habe ich nur 4 Versuche, um die Welt zu retten – und jetzt habe ich Angst, es zu zocken
Ein Spiel auf Steam weckt in mir widersprüchliche Emotionen: je mehr Spaß es mir macht, desto weniger will ich es zocken. Der Beitrag In einem Spiel auf Steam habe ich nur 4 Versuche, um die Welt zu retten – und jetzt habe ich Angst, es zu zocken erschien zuerst auf Mein-MMO.de.


Ein Spiel auf Steam weckt in mir widersprüchliche Emotionen: je mehr Spaß es mir macht, desto weniger will ich es zocken.
Am 14. Januar 2025 ist Hyper Light Breaker in den Early Access gestartet. Ein Spiel, in das ich verliebt bin, seit ich den ersten Trailer gesehen habe. Ich mochte sofort den Stil und das gezeigte Hack’n’Slash-Kampfsystem des Roguelites. Außerdem kann man mit einem Hoverboard durch die Open-World flitzen oder sich mit einem Gleiter von Klippen stürzen – genial.
Das Ziel von Hyper Light Breaker ist dabei denkbar simpel: Ihr müsst natürlich die Welt retten – was auch sonst?
Hierzu schlüpft ihr in die Rolle verschiedener Breaker. Das sind die Spielfiguren, mit denen ihr euch in den Kampf stürzt. Zunächst steht euch nur ein Breaker namens Vermillion zur Verfügung. Im Verlauf des Spiels schaltet ihr jedoch weitere frei.
Während ein Roguelike bestimmte Kriterien wie einen Permadeath und rundenbasiertes Gameplay erfüllen muss, reicht es bei Roguelites, wenn sie nur einige Komponenten des Vorbilds beinhalten. Viele Roguelites wie Hades, Cult of the Lamb oder Dead Cells bieten oft die Möglichkeit, dauerhaften Fortschritt in Form von Leveln, neuen Waffen oder Fähigkeiten zu erzielen.
Nur ein makelloser Kämpfer kann die Welt retten
In Hyper Light Breaker wird die Welt – ein Planet namens World of Light (deutsch: Welt des Lichts) – von dem mächtigen Abyss King bedroht. Es liegt an euch, den gefürchteten Herrscher und seine Gefolgschaft aufzuhalten, um das Land zu retten.
Um den Abyss King zu stürzen, müsst ihr in einer von fiesen Kreaturen überrannten Region Schlüssel sammeln, um gegen die sogenannten Crowns antreten zu können. Diese Bossgegner sind als Lakaien des Königs die erste richtige Hürde, der ihr euch stellen müsst. Jeder Boss hat einen eigenen Kampfstil. Ihr müsst ihre Angriffsmuster lernen und euer Build anpassen, um sie zu besiegen. Das kann jedoch einige Versuche dauern, da diese Kämpfe auch erfahrenen Roguelite-Spielern ihr Können abverlangen.
Insgesamt müsst ihr drei Crowns niederstrecken, wobei einer dieser Gegner stärker ist als vorherige. Solltet ihr vier Mal an den Crowns scheitern – oder an anderer Stelle euer Leben lassen – wirft euch das Spiel im Kampf gegen den Abyss King zurück. Die Spielwelt, wie ihr sie kennt, geht verloren und ein neuer Cycle beginnt. Mit jedem neuen Cycle erhaltet ihr eine neue Spielwelt und jede bereits besiegte Crown ist wieder fit und munter. Denn für die Rettung der Welt habt ihr nur 4 Versuche.
Ein Roguelite, das sich vom Rest des Genres abhebt
Das Prinzip, jeden Boss in einem einzigen Run ohne Niederlage zu besiegen, kennen Genre-Fans bereits aus Spielen wie Hades oder dem neuen Koop-Spiel Sworn. Hyper Light Breaker unterscheidet sich jedoch durch die offene Welt und den Gameplay-Loop.
Ihr schreitet bei einem Run nicht einfach von Level zu Level oder von Raum zu Raum. Stattdessen reist ihr durch eine prozedural generierte, offene Welt. Das Spiel bedient sich zudem einzelner Mechaniken eines Extraction-Shooters. So startet ihr in jedem Cycle zwar mit einem Standard-Loadout, doch die wirklich guten Waffen und Rüstungen müsst ihr in der offenen Welt finden. Alternativ könnt ihr verschiedene Ressourcen sammeln und bei Händlern im Social-Hub gegen lohnenswerte Ausrüstung eintauschen.
Die Ausrüstung hat jedoch eine Art Lebenspunkte. So kann ein Schwert etwa 2-3x in einem Run mitgenommen werden und verliert diese Lebenspunkte, wenn ihr im Kampf fallt – unabhängig davon, dass ein Cycle sowieso nach 4 Niederlagen endet. Ihr müsst also gut auf eure Ausrüstung Acht geben, denn ihr wollt nicht die extrem nützliche Rüstung mit Feuer-Resistenz an einem unbedeutenden Minion verlieren, ehe ihr den Boss besiegt habt, der euch mit Feuer-Angriffen das Leben erschwert.
Als Roguelite bietet euch Hyper Light Breaker jedoch auch Möglichkeiten, permanenten Fortschritt in Form von Verbesserungen zu erhalten, selbst wenn ihr bei einem Cycle scheitert. So könnt ihr etwa ein Medikit zur Regeneration von Lebenspunkten freischalten oder die Werte eures Breakers verbessern.



Es macht Spaß, aber ich habe Angst weiterzuspielen
Die große Schwäche von Hyper Light Breaker ist der aktuelle Entwicklungsstand. Es ist im Early Access und das merkt man auch. Es fehlen einige Inhalte, die das Spiel einfach nötig hat – allen voran ein richtiges Tutorial, das gemäß der neuesten Roadmap im Verlauf des Jahres kommen soll. Das fehlende Tutorial machte die ersten Stunden zu einem kleinen Rätselspiel, herauszufinden, wofür ich welche Ressourcen benötige, wie ich das Medikit bekomme oder einen neuen Breaker freischalte. Dennoch mag ich den Gameplay-Loop.
Hyper Light Breaker macht mir bis jetzt wirklich Spaß. Ich habe es im Koop-Modus mit MeinMMO-Redakteurin Lydia gezockt, die schon so einige Roguelites komplettierte und mich durch die knackigen Bosskämpfe trägt – Ausweichen und Parieren sind nicht meine größten Stärken, ich brauche richtige Schießeisen, damit ich etwas ausrichten kann.
Was Lydias von Hyper Light Breaker denkt, könnt ihr übrigens hier nachlesen:
Roguelites in allen Formen und Farben sind meine große Gaming-Liebe. Ich habe alle Bosse in Moonlighter mit einem Besen bezwungen, mich in Hades aus der Unterwelt gekämpft, zehntausende Gegner in Vampire Survivors niedergemetzelt und schon einige Gold-Sticker in Balatro verdient. Ich habe dementsprechend eine Frustrationstoleranz, die ich als überdurchschnittlich bezeichnen würde: wo andere ragequitten, beginnt der Spielspaß für mich erst.
Dennoch hat sich für mich dieser „Nur noch eine Runde”-Effekt in Hyper Light Breaker bislang einfach nicht eingestellt. Stattdessen habe ich das Gefühl, erst gar keine Runde starten zu wollen, wenn ich nicht mindestens 8 Stunden geschlafen und Aufwärmübungen vollzogen habe, damit ich blitzschnell auf Gegner reagieren kann, die mir aus dem Off in den Rücken springen. Während ich mich in anderen Genre-Vertretern wieder und wieder ins Getümmel stürze, um jedes Mal nur ein winziges bisschen weiter zu kommen, ertappe ich mich hier beim Zögern – schließlich will ich nicht durch eine winzige Unachtsamkeit draufgehen und meine geliebten Doppelklingen verlieren.
Ich denke, verantwortlich hierfür ist nicht nur das Durability-System der Waffen, sondern auch, dass es keine einfach quantifizierbare Progression gibt, die mir das Gefühl gibt: Wenn ich so weit gekommen bin, schaffe ich es auch noch weiter.
Das ist schade, denn mit dem Hoverboard durch die Open-World zu düsen, Gegner zu zerlegen und in jeder Ecke versteckten Loot aufzusammeln, macht eigentlich riesigen Spaß. Ich finde es auch spannend, dass das Spiel mir Abwägungen abverlangt: Mache ich den Umweg noch, um eine neue Waffe einzusammeln? Oder gehe ich auf kürzestem Weg zum Extraction-Point, um meine bisherige Beute zu sichern? Und wenn mir dann die Evakuierung gelungen ist und ich meine Errungenschaften begutachte, habe ich tatsächlich das befriedigende Gefühl, einer erbarmungslosen, feindlichen Welt ein paar ihrer Schätze abgeluchst zu haben – nur, um sie allzu schnell wieder zu verlieren, wenn mich die nächste Crown fachmännisch zerlegt.
Kurz: Ich würde Hyper Light Breaker gerne lieben, wenn es mich bloß lassen würde.
Lydias Eindruck von Hyper Light Breaker
Inzwischen hat mich Hyper Light Breaker als Fan gewonnen und ich will es trotz verschiedenster Schwächen, die das Spiel aktuell noch hat, unbedingt weiter zocken. Ich habe allerdings stets die Befürchtung, dass ich mein liebgewonnenes Gear verlieren könnte – oder gar die ganze Spielwelt inklusive meines Fortschritts im Kampf gegen die Crowns. Das hindert mich aktuell daran, es regelmäßig zu zocken.
Wenn ich etwa nach einem langen Arbeitstag sehr müde bin und das Gefühl habe, meine Reaktionszeit sei dadurch ziemlich beeinträchtigt, dann denke ich mir: „Hm, ich sollte heute lieber etwas anderes zocken. Keine Lust, mein Zeug zu verlieren.“ Je mehr Spaß ich mit meinem aktuellen Gear habe, desto größer ist die Angst, es zu verlieren. Vor mir liegt also ein Spiel, das ich spielen möchte, und trotzdem nicht spiele.
Hyper Light Breaker will, dass ihr einen Cycle startet und scheitert. Es will, dass ihr eure Ausrüstung verliert und neu beginnen müsst. Es will, dass ihr einige Niederlagen in Kauf nehmt, ehe ihr die Crowns und den mächtigen Abyss King besiegt und die Welt rettet. Daran muss ich mich allerdings erst gewöhnen.
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