Europäische und deutsche Autoindustrie kritisieren geplante US-Zölle scharf
Der Dachverband der europäischen Automobilhersteller (ACEA) ist besorgt über die von der US-Regierung angekündigten zusätzlichen Zölle im Automobilsektor. Diese Maßnahme komme zu einem kritischen Zeitpunkt, da sich die Branche im […]


Der Dachverband der europäischen Automobilhersteller (ACEA) ist besorgt über die von der US-Regierung angekündigten zusätzlichen Zölle im Automobilsektor. Diese Maßnahme komme zu einem kritischen Zeitpunkt, da sich die Branche im Umbruch befinde und der internationale Wettbewerb zunehme. Laut ACEA haben europäische Automobilhersteller jahrzehntelang in den USA investiert, Arbeitsplätze geschaffen und zur wirtschaftlichen Entwicklung beigetragen.
Die Einführung von Zöllen würde nicht nur den Import von Fahrzeugen verteuern, sondern auch negative Auswirkungen auf die in den USA ansässige Automobilproduktion haben. Viele europäische Hersteller produzieren in den USA Fahrzeuge, von denen 50 bis 60 Prozent für den Export bestimmt sind. Höhere Kosten für importierte Komponenten könnten die Wettbewerbsfähigkeit dieser Produktion erheblich beeinträchtigen.
Auswirkungen auf Handel und Wirtschaft
ACEA warnt davor, dass die neuen Handelsbarrieren nicht nur ausländische Hersteller, sondern auch die US-Wirtschaft selbst treffen könnten. Steigende Kosten würden letztlich auch die Verbraucher belasten, da Fahrzeuge teurer werden könnten. Zudem könnte ein Handelskonflikt zwischen der EU und den USA eskalieren, was weitere negative wirtschaftliche Folgen hätte.
Auch der deutsche Verband der Automobilindustrie (VDA) kritisiert die geplanten Zölle scharf. VDA-Präsidentin Hildegard Müller bezeichnet die angekündigten zusätzlichen US-Zölle in Höhe von 25 Prozent als fatales Signal für den freien und regelbasierten Handel. Sie betont, dass die Zölle eine erhebliche Belastung für Unternehmen und globale Lieferketten darstellen und vor allem die Verbraucherinnen und Verbraucher in den USA negativ treffen würden.
Der VDA weist darauf hin, dass auch die US-Industrie selbst die Zollpolitik des Präsidenten kritisch sieht. Zudem könnten Exporte aus der EU in die USA erheblich beeinträchtigt werden.
Forderung nach Verhandlungen und wirtschaftlicher Stabilität
Sowohl ACEA als auch VDA plädieren für rasche Verhandlungen zwischen der EU und den USA, um eine Eskalation des Handelskonflikts zu vermeiden. Der VDA fordert ein bilaterales Abkommen, das tarifäre und nicht-tarifäre Handelshemmnisse für Automobilprodukte klären könnte. Auch Gespräche über Normen, Zertifizierungen und gesetzliche Regelungen seien sinnvoll, um Effizienz und Investitionssicherheit auf beiden Seiten des Atlantiks zu erhöhen.
Verhandlungen hätten in der Vergangenheit bereits zur Lösung von Handelskonflikten beigetragen. Der VDA betont, dass ein geschlossenes und starkes Auftreten der EU notwendig ist, um eine Eskalation zu vermeiden. Das Risiko eines globalen Handelskonflikts mit negativen Folgen für Wachstum, Wohlstand, Beschäftigung und Verbraucherpreise sei auf allen Seiten hoch.
Hintergrundinfos und Standpunkte des VDA:
- 86 Prozent der Unternehmen im automobilen Mittelstand gehen davon aus, dass die Zölle der USA gegen zahlreiche Staaten und Regionen auch sie betreffen werden. Dabei geht etwa jedes zweite Unternehmen (54 Prozent) davon aus, indirekt betroffen zu sein, zum Beispiel durch Lieferanten und Kunden. Rund jedes dritte Unternehmen (32 Prozent) sieht sich direkt betroffen. Das ist eines der Ergebnisse einer aktuellen Umfrage, die der VDA unter den Automobilzulieferern sowie den mittelständisch geprägten Herstellern von Anhängern, Aufbauten und Bussen im Februar 2025 durchgeführt hat.
- Die deutsche Automobilindustrie ist seit Jahrzehnten in den USA präsent und erfolgreich. In den USA beschäftigt die deutsche Automobilindustrie rund 138.000 Mitarbeiter. Davon arbeiten 48.000 bei den Automobilherstellern und weitere 90.000 bei deutschen Zulieferern. Die USA sind ein wichtiger Bestandteil im Produktionsnetzwerk der deutschen Automobilindustrie, auch von dort aus wird der Weltmarkt bedient.
- 2024 haben die deutschen Hersteller in den USA über 844.000 Fahrzeuge in den USA produziert, wovon rund die Hälfte in alle Welt exportiert wurden. Somit profitiert auch der Automobilstandort USA vom internationalen Handel und dem Engagement der deutschen Automobilindustrie.
- Im Jahr 2024 wurden Pkw im Wert von 6,7 Mrd. Euro von den USA nach Deutschland exportiert (136.000 Pkw). Damit liegen Pkw „Made in the US“ gemessen am Wert hinter der Tschechischen Republik und Spanien auf Platz 3 der deutschen Importstatistik. In die Europäische Union exportierten die USA 2024 Pkw im Wert von über 10 Mrd. Euro bzw. 233.600 Stück.
Amazon.de Deals: Das sind die heutigen Angebote und Aktionen → (Werbung)
mobiFlip ist unabhängig und in vollem Umfang frei zugänglich – auch über diesen Feed. Damit das so bleiben kann, bitten wir dich um deine Unterstützung.