Macher von The Witcher schwärmen vom deutschen Gothic, sagen, sie wollten ihr Spiel genauso gut machen

Die Entwickler von The Witcher sprechen über ihre Vorbilder. Eines davon taucht häufig auf: das deutsche Gothic. Der Beitrag Macher von The Witcher schwärmen vom deutschen Gothic, sagen, sie wollten ihr Spiel genauso gut machen erschien zuerst auf Mein-MMO.de.

Apr 4, 2025 - 16:48
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Macher von The Witcher schwärmen vom deutschen Gothic, sagen, sie wollten ihr Spiel genauso gut machen
The Witcher 3 Geralt steht vor dem Helden aus Gothic Titel

Spätestens seit The Witcher 3 zählt die Reihe zu den bekanntesten im Gaming. Schon für den ersten Teil hatten die Macher, CD Projekt RED, allerdings ein ganz bestimmtes Vorbild: Gothic, das düstere RPG aus Deutschland, das bis heute mit ikonischen Voice-Lines besticht.

The Witcher 3 zählt zu den besten Rollenspielen der letzten Jahre und für viele als das beste vor Baldur’s Gate 3. Selbst jetzt, über 9 Jahre nach Release, hat es immer noch Spieler, die teilweise noch fast völlig unbekannte Inhalte im Spiel entdecken.

Für viele Gamer dürfte der dritte Teil der erste und vielleicht sogar einzige Berührungspunkt mit der Welt sein, die aber sehr viel größer ist. Allein die zugrundeliegenden Bücher von Andrzej Sapkowski sind bereits Anfang der 90er erschienen, und es gibt immer noch neue Romane. Das erste Witcher-Spiel ist 2007 veröffentlicht worden.

Das Studio, CD Projekt RED, hat schon zuvor Erfahrung mit Videospielen gesammelt. Die Firma hat damals Spiele auf Polnisch übersetzt und in Polen vertrieben. Ein Spiel aus Deutschland hat jedoch besonders viel Eindruck geschunden.

„Unser Traum war es, das zu übernehmen, was wir aus Gothic kennen“

2001 hat das deutsche Studio Piranha Bytes den ersten Teil von Gothic veröffentlicht. Als „namenloser Held“ werdet ihr in eine magisch versiegelte Minenkolonie geworfen und versucht irgendwie, euch da durchzuschlagen.

Eines der größten Alleinstellungsmerkmale von Gothic war damals die Vollvertonung. Jeder Dialog, selbst Gespräche um euch herum, haben eigene Textzeilen – und ikonische Sprüche wie: „Steck die scheiß Waffe weg!“

CD Projekt, damals noch ohne das RED, hat Gothic auf Polnisch übersetzt und dazu bekannte Schauspieler engagiert, um der Qualität gerecht zu werden. Mit Erfolg: Gothic kam in Polen so gut an, dass selbst der deutsche Studio-Mitgründer Björn Pankratz überrascht war (via YouTube).

In einem Interview erklärt der Studio-Chef von CD Projekt, Adam Badowski, dass die Entwickler damals mit ihrem ersten eigenen Spiel, The Witcher, Gothic nacheifern wollten (via YouTube):

Unser Traum und Ziel war es, das zu übernehmen, was wir aus Gothic kennen. Es ist eine legendäre Serie, zumindest für uns. Adam Badowsk

Mateusz Tomaszkiewicz, der federführend die Quests in The Witcher 3 erschaffen hat, erklärt, dass Gothic 2 eines seiner liebsten PC-Spiele aller Zeiten sei (via TechRadar). Einige der Gründe seien die NPCs und die immersive Welt.

Gothic ist kleiner als andere RPGs, aber genau das macht es besser

Im Vergleich zum kurz vorher erschienenen The Elder Scrolls: Daggerfall oder dem wenig später erschienenen Morrowind, setzt Gothic nicht auf eine riesige Welt voller zufällig erstellter Interaktionen. Für das Verhältnis: Daggerfall ist 600-mal so groß wie GTA 5 (via GameStar).

Stattdessen spielt ihr in einem eher kleinen Gebiet mit besonderen Orten und folgt einer festen Story, die das Spiel erzählen will. Der Chief Designer von The Witcher, Michal Madej, erklärt im Interview mit IGN: „Gothic, obwohl es offene Enden hatte, war von Story getrieben. Oblivion hatte gar keine Story.“

Gothic gilt für viele als Meisterwerk, hat mir damals die Jugend geraubt und kam für seine Zeit mit revolutionären Features, etwa:

  • Vollvertonung aller Dialoge, inklusive der des Spielcharakters – etwas, das The Elder Scrolls bis heute nicht hat und das nicht einmal Baldur’s Gate 3 bietet
  • NPCs, die einem Tagesablauf folgen, mit Arbeit, Freizeit und Schlafplätzen
  • eine KI, die sich „merkt“, was ihr so tut: haut ihr einer Person auf’s Maul, freut das eine andere, deren Freunde aber gar nicht
  • eine Spielwelt, in der ihr euch nahtlos und (fast) ohne Loading Screens bewegen könnt

Ihr könnt in Gothic die gesamte Welt jederzeit erkunden, müsst aber damit rechnen, in Gebiete vorzudringen, die nicht für euer Level bestimmt sind. The Witcher hat viele dieser Features bereits im ersten Teil übernommen und über die Jahre ausgebaut.

Eine riesige Fan-Gemeinde in Polen

Bis heute hat Gothic eine riesige Fan-Base in Polen, die sogar oft scherzhaft behauptet, Gothic sei das beste polnische Spiel, das es je gegeben hat. Sicher ist aber, dass alle rund um Gothic in Polen teilweise mehr Zulauf erfährt als hier.

Ein Live-Action-Roleplay zu Gothic, kurz LARP, findet in Polen seit Jahren statt und hat teilweise über 200 Mitspieler (via Reddit). Ein vergleichbares, deutsches Projekt, wirbt gerade darum, überhaupt 30 Teilnehmer zu finden, damit es stattfinden kann (via WorldOfGothic), ein weiteres plant mit 70 Spielern und NPCs (via Facebook).

Die ursprünglichen Macher von Gothic, Piranha Bytes, gibt es so leider nicht mehr. Das Studio wurde 2024 aufgelöst.

Die ersten beiden Teile von Gothic gelten bis heute als die besten und Teil 1 bekommt sogar ein Remake, das nach mehreren Verschiebungen 2026 erscheinen soll. Einige der Nachfolger wie Gothic 3, ArcaniA, die späteren Risen-Teile und Elex kamen nie an die Beliebtheit der ersten Teile ran.

Dennoch sorgt Gothic selbst in Deutschland noch immer für Begeisterung, was mit an der düsteren, rauen Welt liegen mag, die es in den modernen, polierten Fantasy-Games oft nicht mehr gibt. Ein Studio versucht sogar, in die Fußstapfen zu treten: Ein kleines Team aus Deutschland will Gothic Konkurrenz machen, ihr könnt das Spiel jetzt auf Steam testen

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