Open-Ear-Kopfhörer Honor Earbuds Open im Test
Als Open-Ear-Kopfhörer locken die Honor Earbuds Open auf dem Papier mit hohem Tragekomfort, nützlichen KI-Features und gutem Sound. Der Test zeigt, dass sie gerade bei letzterem nicht liefern.
Als Open-Ear-Kopfhörer locken die Honor Earbuds Open auf dem Papier mit hohem Tragekomfort, nützlichen KI-Features und gutem Sound. Der Test zeigt, dass sie gerade bei letzterem nicht liefern.
Open-Ear-Kopfhörer vereinen das Versprechen von tollem Klang und maximalem Komfort, ohne Abstriche bei der Sicherheit, etwa beim Fahrradfahren, zu machen. Denn Umgebungsgeräusche bleiben mit den Open-Ears stets wahrnehmbar. Honor hat mit den Earbuds Open ein eigenes Modell ins Rennen geschickt, das mit einem Preis von 150 Euro (Amazon) zumindest bezüglich der Kosten ganz weit oben mitspielt. Dafür verspricht der Hersteller ein herausragendes Klangerlebnis dank 16-mm-Treiber, optimierten Tragekomfort und nützlichen Features wie Multipoint-Connection und einen KI-Übersetzer. Wie gut – oder eben nicht gut – das Konzept aufgeht, zeigt unser Testbericht.
Design und Verarbeitung
Honor bietet die Earbuds in den Farben Weiß und Schwarz an, wobei sich das Design zu großen Teilen am Standard für Open-Ear-Kopfhörer orientiert: Die Earbuds Open bestehen aus einem Ohrstück und einem biegsamen Bügel aus Silikon. An der Außenseite des Ohrstücks befindet sich eine glänzende Metallplatte, über deren Touch-Oberfläche wir die Kopfhörer bedienen.
Optisch trifft die gesamte Konstruktion zusammen mit dem Ladecase, besonders in Weiß, nicht unseren Geschmack. Aber darüber lässt sich hervorragend streiten. Wer sich für das weiße Modell entscheidet, bekommt eine Hülle mit einem Innenleben aus hautfarbenem Kunststoff. Die darin liegenden Earbuds erinnern dann eher an Hörgeräte als an die edlen Kopfhörer, als die Honor sie uns anpreist.
Das Case besteht aus Kunststoff, aber die Oberfläche erinnert an raues Leder. Eine kleine LED informiert über den Ladezustand von Case und Kopfhörern, während sich der Anschluss für ein USB-C-Ladekabel auf der Rückseite befindet, das allerdings nicht im Lieferumfang enthalten ist. Das Scharnier der Hülle macht ebenso wie das Ladecase selbst einen ordentlich verarbeiteten Eindruck. Die Hülle ist robust genug, um Stürze aus anderthalb Metern Höhe auf Steinboden zu überstehen, aber die Kopfhörer fallen dann aus dem geöffneten Case. Die Kopfhörer sind nach IP54-Standard gegen Schmutz und Spritzwasser geschützt.
Tragekomfort
Honor bewirbt explizit den hohen Tragekomfort der Earbuds Open. Im Test können die Kopfhörer in dieser Hinsicht überzeugen: Mit einem Gewicht von 7,9 Gramm sind die Earbuds angenehm leicht, sitzen aber durch die Konstruktion des Ohrbügels gleichzeitig fest an der Ohrmuschel, ohne unangenehm zu drücken. Dabei schmiegen sich die Kopfhörer sowohl an kleine als auch an größere Ohren gut an und verrutschen selbst dann nicht, wenn man den Kopf heftig schüttelt. Für sportliche Aktivitäten wie Joggen oder Fitness sind die Earbuds Open bestens geeignet.
Akku
Bei der Akkulaufzeit muss man ebenfalls Abstriche machen, denn die liegt laut Herstellerangaben lediglich bei sechs Stunden. Mit Ladecase erhöht sich die Betriebsdauer auf 22 Stunden, wobei das Aufladen der Earbuds 75 Minuten dauert. Die Akkulaufzeit, die wir bei mittlerer Lautstärke in unserem Test bestätigen können, liegt damit für Kopfhörer dieser Art eher im unteren Bereich. Besser schneiden hier etwa die Nothing Ear (Open) mit acht Stunden ab.
Bedienung
Bei der Bedienung der Earbuds Open entscheidet sich Honor für eine Kombination aus Touch- und Wischgesten, was im Test erstaunlich gut funktioniert. Per Wischgeste können wir die Lautstärke regulieren, per einfacher oder mehrfacher Berührung pausieren und starten wir die Wiedergabe oder wechseln zwischen mehreren Titeln hin und her. Auch das ANC können wir über das Touch-Panel aktivieren. Versehentliches Berühren der Earbuds führt im Test selten zu Fehleingaben, auch sonst reagieren die Kopfhörer ohne Latenz auf unsere Befehle.
App
Für den vollen Funktionsumfang der Earbuds Open muss man die App HONOR AI Space installieren, die man kostenlos im Google Play Store oder im Apple App Store herunterladen kann. Die App setzt ein Nutzerkonto voraus, für das man sich mit einer E-Mail-Adresse registriert. Eine Anmeldung per Google-Konto oder vergleichbarem Account ist nicht möglich.
Die Kopplung der Earbuds mit dem Wiedergabegerät, etwa dem Smartphone, funktioniert via Bluetooth 5.2 und auch ohne die App. Anschließend kann man in der App die Umgebungsgeräuschunterdrückung beim Telefonieren konfigurieren, die Multipoint-Connection nutzen oder den KI-Übersetzer aktivieren. Letzterer funktioniert nur in Kombination mit der App. Wir können dabei aus mehreren Sprachen wählen, darunter Chinesisch, Englisch, Französisch, Deutsch, Spanisch, Italienisch, Russisch und Türkisch.
Über die App können wir den zu übersetzenden Text einsprechen oder über die Tastatur eingeben und die Übersetzung dann anzeigen und vorlesen lassen. Dabei gibt es die Option, die Übersetzung nur über die Kopfhörer oder simultan über die Kopfhörer sowie die Lautsprecher des Smartphones auszugeben. In der Praxis funktioniert die KI-Übersetzung ähnlich gut wie Googles Translator, bietet aber keinen signifikanten Vorteil gegenüber bestehenden Lösungen.
Zusätzlich zum Übersetzer bietet die App auch einen Equalizer, der den Namen allerdings nicht wirklich verdient. Wir können nämlich nur zwischen zwei Tonmodi wählen: „Original“ und „Trainingsverstärker“. Einen echten Equalizer zum benutzerdefinierten Anpassen der Höhen und Tiefen gibt es nicht. Noch dazu unterscheiden sich die Soundmodi kaum hörbar voneinander.
Klang
Denn der Klang der Honor-Kopfhörer stellt sich im Test zwar als solide, aber nicht überragend heraus. Bei gesprochenen Inhalten wirkt der Sound recht warm, aber teilweise auch etwas kratzig. Letzteres fällt besonders bei scharfen S-Lauten ins Gewicht, wodurch die Earbuds Open in den Höhen fast schon schrill klingen. Insgesamt machen sie bei durchschnittlicher Lautstärke in Podcasts, Hörbüchern und Co. aber einen ordentlichen Eindruck.
Der kratzige Unterton zeigt sich vor allem bei der Wiedergabe von Musik. Im Fall von Pink Floyds „Time“ erreicht er bei den Gitarrenriffs einen unangenehmen Höhepunkt. Der Gesang derweil bleibt merkwürdig fad und blass, ohne angemessenes Volumen. Derselbe Eindruck ergibt sich auch bei Rage Against The Machines „Know Your Enemy“. Hier bleiben die Gitarren kratzig und schrill, fast blechern, und die Lyrics seltsam verwaschen. Auch ein Test der Performance bei Percussions mit Buena Vista Social Clubs „Chan Chan“ überzeugt uns nicht, denn zu den verwaschenen, blassen und teils schrillen Höhen gesellen sich dumpfe und schwache Bässe. Ein umfangreicher Equalizer hätte hier möglicherweise Abhilfe schaffen können. So enttäuscht der Sound der Honor Earbuds Open.
Honor gibt an, dass die Kopfhörer störende Geräusche wie Wind oder Gespräche in Innenräumen unterdrücken. Das funktioniert im Praxistest gut. Auch beim Telefonieren filtern die Kopfhörer mögliche Störgeräusche, sodass wir bei unserem Gesprächspartner gut verständlich ankommen. Mit lauten Geräuschen wie vorbeifahrenden Autos oder Baulärm kommen die Kopfhörer aber weniger gut klar.
Preis
Die Earbuds Open kosten bei Amazon 150 Euro. Der Preis ist also höher als bei unserem Testsieger Anker Soundcore Aerofit 2.
Fazit
Die Klangqualität der Honor Earbuds Open kann im Test nicht überzeugen. Zwar erwartet man von einem Modell dieser Bauweise nicht denselben hochwertigen Sound wie von einem geschlossenen Hifi-Kopfhörer, aber Modelle wie der Anker Soundcore Aerofit 2 oder der Nothing Ear (Open) zeigen deutlich, wie es besser geht. Dazu kommt der im Vergleich zur genannten Konkurrenz doch recht hohe Preis, die niedrige Akkulaufzeit, der fehlende echte Equalizer und das teils gewöhnungsbedürftige Design. Der gute Tragekomfort kann den Gesamteindruck dann auch nicht mehr retten, sodass wir für die Honor Earbuds Open nur eine eingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen können.
Die Klangqualität der Honor Earbuds Open kann im Test nicht überzeugen. Dazu kommt der recht hohe Preis, die niedrige Akkulaufzeit, der fehlende echte Equalizer und das teils gewöhnungsbedürftige Design. Für 150 Euro (Amazon) gibt es bessere Alternativen wie die Anker Soundcore Aerofit 2 oder die Nothing Ear (Open).
- gute Verarbeitung
- hoher Tragekomfort
- mäßiger Klang
- Akkulaufzeit
- relativ teuer