NIO-Elektroauto im Test: So genial ist Akkutausch statt Schnellladen – mit einer Schwäche

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Apr 6, 2025 - 19:34
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NIO-Elektroauto im Test: So genial ist Akkutausch statt Schnellladen – mit einer Schwäche
NIO Akkuwechsel

Es gibt eine Alternative zum Schnellladen eines Elektroauto-Akkus und das ist der Wechsel der Batterie. Bislang ist dieses System in Europa jedoch eine Nische, nur NIO lässt den Wechsel der Akkus bei seinen Elektroautos zu und hat dafür Wechselstationen aufgebaut. Das System ist genial und funktioniert überraschend nahtlos.

Bei meiner letzten Reise mit einem NIO ET5, ich bin über 450 km nach Hamburg gefahren und auch wieder zurück, konnte ich mich vom „Power Swap“ selbst überzeugen. Vielleicht war es nur Zufall, aber auf meiner Strecke von Zwickau nach Hamburg waren diese „Power Swap Stations“ jeweils perfekt positioniert, sodass ich nicht laden musste.

Akkuwechsel ist bequemer und viel schneller als ein Ladevorgang

Warum ist das ein großer Vorteil? Weil der gesamte Vorgang, vom Parken vor der Station bis zur Weiterfahrt, ungefähr fünf bis sieben Minuten dauert. Kein Aussteigen notwendig, alles passiert automatisch. In dieser Zeit tauscht man einen leeren gegen einen vollen Akku (max. 90 Prozent), jedenfalls im idealen Szenario.

Bei so einem Akkuwechsel positioniert ihr das Fahrzeug in einem markierten Bereich vor der Wechselstation und bestätigt den Vorgang auf dem Bildschirm. Die Einfahrt passiert dann automatisch, anschließend wird der Akku aus dem Fahrzeug über den Unterboden entnommen und ein neuer Akku eingesetzt. Derzeit gibt es Long Range und Standard Range Akkus.

Weil ich gerade einen ET5 Long Range fahre, gab es auch immer einen entsprechenden Akku eingesetzt. Bei meiner Hinfahrt bin ich mit 17 Prozent angekommen und tauschte gegen einen 90 Prozent Akku. Bei meiner Rückfahrt startete ich mit 45 Prozent und bin mit 5 Prozent in die erste Station eingefahren, erhielt dann wieder 90 Prozent.

NIO Akkuwechsel Bildschirm

Mein letzter Wechsel war bei Leipzig, ich bin zuvor sehr schnell gefahren und reizte die fahrbaren 200 km/h öfter aus, also konnte ich mit der Zeitersparnis durch den sehr schnellen Akkuwechsel durchaus einiges an Zeit rausholen, die ich vorher zwei Stunden lang in einem Stau warten musste. Auch beim dritten Wechsel war in der Station mindestens ein voller Akku verfügbar.

Der Nachteil, wenn es nicht nach Plan läuft

Das System ist genial, weil es so einfach ist und funktioniert. Aber es hat auch seine Tücken. In der Regel plant man seine Route und wenn eine Wechselstation günstig liegt, nimmt man natürlich den Akkuwechsel statt den Ladevorgang. Man sieht auf dem Navi permanent, wie viele Akkus in der eingeplanten Station verfügbar sind und welchen Ladestand sie haben. Außerdem sieht man, ob gerade ein anderes Auto in der Station ist oder sogar noch weitere Fahrzeuge warten.

Auf der Rückfahrt kam es dazu, dass mir zwei andere NIO-Fahrer zwei der drei geladenen Akkus aus der ersten Station „weggeschnappt“ haben. Außerdem war einer der beiden direkt vor mir in die Station gefahren. Ich musste also erst seinen Akkuwechsel abwarten, bevor ich an der Reihe war, somit hat sich die gesamte Wartezeit bereits verdoppelt auf insgesamt 14 Minuten.

Kurios: Als mein Wechsel fertig war, kam tatsächlich dann der vierte NIO-Fahrer an die Station innerhalb einer Stunde. Blöd für ihn, dass in diesem Moment alle drei vollen Long Range-Akkus der Station schon entnommen wurden und in diesem Moment nur noch drei leere Akkus vorhanden gewesen sind. Leer gegen leer könnte man tauschen, ergibt nur wenig Sinn.

NIO Akkuwechsel Parkvorgang beginnen

Dieser Pechvogel musste also eine Ladestation verwenden. Das ist mit einem Schnelllader sicherlich kein großes Drama, aber der Akkuwechsel dauert im besten Fall nur sieben Minuten und der Ladevorgang ohne vorkonditionierten Akku gerne mal 25 bis 30 Minuten – oder noch länger. Ein signifikanter Unterschied.

Mir sagte man bei NIO, dass man in der Wechselstation auch einen Akku einsetzen lassen kann, der vielleicht nur zu 50 Prozent aufgeladen ist. Alles wird transparent auf dem Bildschirm im Auto kommuniziert und ihr habt jederzeit die Möglichkeit, den Wechsel anzumelden oder doch vorher noch abzusagen. Ein nur teilweise geladener Akku wäre im Notfall also immer noch attraktiv, wenn mein eigener Akku gerade tatsächlich leer gefahren ist und ich schnell weiter möchte.

NIO Power Swap: Chancenlos ohne großen Partner?

Der große Vorteil bei NIO ist, dass Kunden nie einen veralteten Akku haben, auch in einigen Jahren nicht, weil er so einfach gewechselt werden kann. Ein ganz entscheidender Punkt, wenn es um den Wertverlust der Fahrzeuge geht. Außerdem profitiere ich später von neueren Akkus, die sich schneller laden lassen und vielleicht noch bessere Reichweiten bieten.

Links der NIO-Pressewagen mit wechselbarem Akku, rechts unser privater Hyundai IONIQ 5 mit dem 18-minütigen Schnelladen:

NIO ET5 und Hyundai IONIQ 5 Elektroauto Hero

Aber derzeit ist NIO quasi auf sich allein gestellt, jedenfalls hier im Westen. Es gibt eine Partnerschaft mit CATL und in China stehen mehr als 3.500 Stationen, in Europa sieht es bei Partnerschaften jedoch düster aus und die Zulassungszahlen von NIO sind schwach. Das System hat Potenzial, doch die Zukunft ist aktuell noch sehr wage. 59 PPS gibt es in Europa derzeit, das ist nur ein Hauch von dem System in China.

Interessant wird es noch dieses Jahr, wenn NIO mit seiner neuen Submarke Firefly nach Europa kommt. Das kompakte Elektroauto soll ebenfalls den Akkuwechsel ermöglichen, allerdings in neu entwickelten Stationen, die erst noch gebaut werden müssen. Das ist abermals ein großes Wagnis und bislang gibt es keinen Partner in Europa, der mitmacht, was in China schon deutlich besser aussieht.

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